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Diagnostik von Mykobakteriosen

Die Diagnostik von Mykobakteriosen erfolgt gemäß DIN-Vorschriften. Es wird empfohlen pulmonale Patientenproben von drei aufeinanderfolgenden Tagen zu untersuchen. Für die Diagnose einer extrapulmonalen Tuberkulose können beispielsweise Urin oder Liquor als Untersuchungsmaterial herangezogen werden.
Zur Beseitigung der störenden Begleitflora wird das Ausgangsmaterial zunächst dekontaminiert. Zur Dekontamination werden hauptsächlich N-Acetyl-L-Cystein-Natriumhydroxid (NaOH) oder 4%ige NaOH-Lösung (nach Petroff) verwendet. Anschließend wird ein mikroskopisches Präparat analysiert sowie zwei Fest- und eine Flüssigkultur angelegt.
Der mikroskopische Erregernachweis ist zwar schnell, aber nicht besonders sensitiv und eine wenig spezifische Methode: Da weder zwischen lebenden und toten Bakterien noch zwischen Tuberkulosebakterien und NTM unterschieden werden kann, ist immer ein kultureller Nachweis erforderlich. Ein positives Ergebnis mittels Festkultur ist nach etwa 3-4 Wochen zu erwarten, eine negative Beurteilung kann aber erst nach einer Inkubation von 8 Wochen erfolgen. Die Sensitivitätsgrenze der Festkultur liegt bei 102 Bakterien/ml. Bei der Verwendung von Flüssigkulturen kann die Sensitivität erhöht und zusätzlich die Detektionszeit verkürzt werden. Ein positives Ergebnis liegt bereits nach ein bis zwei Wochen vor. Ein sicherer Ausschluss ist dagegen erst nach etwa sechs Wochen möglich. Allerdings ist aus der Flüssigkultur keine morphologische Beurteilung möglich. Eine schnelle Identifizierung und Spezies-Differenzierung ist somit nur mit Hilfe molekulargenetischer Testsysteme möglich.

Direktnachweis
Der Nachweis spezifischer Genfragmente aus dem Mykobakteriengenom wird durch DNA- oder RNA-basierte Techniken ermöglicht. Hierbei werden kurze Nukleinsäureabschnitte des Mykobakterien-Genoms durch enzymatische Methoden vervielfältigt und anschließend detektiert. So kann bei Verdachtsfällen und schweren Krankheitsverläufen ein schneller Direktnachweis mittels sogenannter Nukleinsäureamplifikationstests (NAT) innerhalb von 24 Stunden  erfolgen.

Die Mykobakterien-Produktreihe von Hain Lifescience ermöglicht die Diagnostik direkt aus pulmonalen mikroskopisch Ziehl-Neelsen-negativen sowie Ziehl-Neelsen-positiven Patientenproben.

  • Mikroskopisch Ziehl-Neelsen-negativ:
    GenoType® Mycobacteria Direct, gleichzeitige Detektion des M. tuberculosis-Komplex und 4 klinisch relevanter Mykobakterien-Spezies (M. avium, M.intracellulare, M. kansasii, M. malmoense)
    GenoQuick® MTB, schneller Direktnachweis des M. tuberculosis-Komplex aus Patientenproben
     
  • Mikroskopisch Ziehl-Neelsen-positiv:
    GenoType® MTBDRplus, Identifizierung des M. tuberculosis-Komplex und seiner Resistenz gegen Rifampicin (RMP) und/oder Isoniazid (INH)
    GenoType® MTBDRsl, Identifizierung des M. tuberculosis-Komplex und seiner Resistenz gegen Fluorchinolone (z.B. Ofloxacin und Moxifloxacin) und/oder injizierbaren Second-Line Antituberkulotika (Viomycin, Kanamycin, Amikacin und Capreomycin) und/oder Ethambutol

Differenzierung
Da sich das Resistenzverhalten zwischen den verschiedenen Mykobakterien-Spezies erheblich unterscheidet, ist auch die Spezies-Differenzierung für die Wahl geeigneter Antituberkulotika von entscheidender Bedeutung. Dabei sind konventionelle Methoden allerdings zu zeitaufwändig und erfordern überdies geschultes Fachpersonal. Biochemische Methoden beinhalten die Detektion spezies-spezifischer Enzyme, die Ermittlung von Wachstumszeiten sowie die Ausbildung von Pigmenten. Bis zum Ergebnis muss hierbei mit etwa zwei Wochen gerechnet werden.
Der molekulargenetische Mykobakterien-Nachweis hingegen ermöglicht eine schnelle und einfache Spezies-Differenzierung und gilt deshalb als Methode der Wahl.

Zur Identifizierung von Mykobakterien aus Kulturproben innerhalb von nur 4-5 Stunden stehen verschiedene Testsysteme von Hain Lifescience zur Verfügung:

Resistenztestung
Die Behandlung einer Tuberkulose bedarf einer mehrere Monate anhaltenden, ununterbrochenen Einnahme von Antibiotika. Durch ein inkonsequentes Befolgen des Therapieplans oder frühzeitigen Therapieabbruch kann es zur Ausbildung von Antibiotika-Resistenzen kommen. Jährlich treten nahezu eine halbe Million multiresistente (MDR)-TB-Fälle auf. Der Einsatz der sonst wirksamen First-Line-Antituberkulotika Rifampicin und Isoniazid ist dann wirkungslos. Eine erfolgreiche Behandlung ist nur mit Second-Line-Antituberkulotika möglich.
Allerdings treten immer mehr extrem resistente (XDR)-TB-Erreger auf. Als XDR wird ein TB-Erreger bezeichnet, wenn er gleichzeitig gegen Rifampicin und Isoniazid und zusätzlich gegen Fluorchinolone sowie gegen ein injizierbares Second-Line-Antituberkulotikum resistent ist. Als Ursache für die Entwicklung dieser XDR-TB gilt eine inadäquate Therapie der MDR-TB.
Die herkömmliche Resistenztestung wird derzeit auf Löwenstein-Jensen-Festmedium (Goldstandard) oder in Flüssigkultur, wie z.B. Middlebrook 7H9, durchgeführt und ist nur aus Kulturproben möglich. Sie dauert zwischen 12 und 42 Tagen und ist demnach sehr zeitaufwändig.
Eine zeitnahe Diagnose der MDR- und XDR-TB ist allerdings von enormer Bedeutung. Solange das Vorliegen resistenter M. tuberculosis-Stämme unbestätigt ist, kann es durch den Einsatz inadäquater und damit unwirksamer Antibiotika zu einer weiteren Ausbreitung resistenter Bakterien sowie zu weiteren Resistenzentwicklungen kommen.

Die Testsysteme GenoType® MTBDRplus und GenoType® MTBDRsl ermöglichen die schnelle und sichere Identifizierung von MDR- und XDR-TB direkt aus Ziehl-Neelsen-positiven pulmonalen Patientenproben oder Kulturproben innerhalb von nur vier bis fünf Stunden. 

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