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Chlamydien allgemein

Chlamydien sind gramnegative, obligat intrazelluläre Bakterien, die von der ATP-Synthese der Wirtszellen abhängig sind. Sie besitzen einen einzigartigen Entwicklungszyklus, der für die Diagnostik, Pathogenese und Therapie eine wichtige Rolle spielt. Kleine, hochinfektiöse Elementarkörperchen dringen in Wirtszellen ein. In den Zellen entwickeln sie sich zu nicht-infektiösen Retikularkörperchen und vermehren sich innerhalb von sogenannten Einschlusskörpern durch Zweiteilung. Am Ende des 48-72 Stunden umfassenden Entwicklungszyklus differenzieren sich die Retikularkörperchen wieder zu Elementarkörperchen, die dann aus der Wirtszelle freigesetzt werden. Sie sind dann in der Lage erneut Wirtszellen zu infizieren.
Man unterscheidet drei humanpathogene Chlamydienspezies, Chlamydia psittaci, C. pneumoniae und C. trachomatis, die beim Menschen unterschiedliche Erkrankungen verursachen.

Chlamydia psittaci

Chlamydia psittaci ist der Erreger der Ornithose oder Papageienkrankheit. Hierbei handelt es sich um eine meldepflichtige Infektion, die in der Regel von infizierten Zier- oder Zuchtvögeln durch Ausscheidung erregerhaltiger Sekrete oder Exkremente auf den Menschen übertragen wird. Gefährdet sind vor allem Halter von Zier- oder Zuchtvögeln, Tierhändler und Beschäftigte in der geflügelverarbeitenden Industrie.
C. psittaci
gilt als hoch kontagiös und wird nach der Biostoffverordnung in die Laborsicherheitsstufe 3 eingeordnet. Die Inkubationszeit beträgt 5-15 Tage. Die Erkrankung kann abrupt oder schleichend beginnen. Eine C. psittaci-Infektion tritt meist als atypische Pneumonie auf, die allerdings mit schwerer systemischer Symptomatik einhergehen kann. Unbehandelt kann die Erkrankung zum Tode führen.
Die Labordiagnostik zum Nachweis von C. psittaci-Infektionen ist aufgrund der hohen Kontagiösität des Erregers eingeschränkt. Der direkte Nachweis in der Zellkultur kann foglich nur unter Einhaltung besonderer Sicherheitsvorkehrungen in einem L3-Labor durchgeführt werden. PCR-Verfahren haben sich als nützlich erwiesen, aber C. psittaci-Infektionen werden im Routinelabor in der Regel serologisch bestimmt.
Testsystem zum Nachweis von Antikörpern gegen Chlamydia psittaci: SeroFIA™

Chlamydia pneumoniae

Chlamydia pneumoniae ist ein weit verbreiteter Erreger von Atemwegserkrankungen, wie z.B. Pharyngitis, Sinusitis, Bronchitis und Pneumonie. Man geht davon aus, dass jeder zweite Erwachsene in seinem Leben eine C. pneumoniae-Infektion durchmacht. Der Großteil der Infektionen wird vermutlich im Kindes- und Jugendalter erworben.
In sehr seltenen Fällen treten Komplikationen wie Endokarditis, Myokarditis oder reaktive Arthritis auf. Die Bedeutung von C. pneumoniae bei der Entstehung von Arteriosklerose, Multipler Sklerose oder M. Alzheimer wird kontrovers diskutiert.
Die Diagnose einer Chlamydia pneumoniae-Infektion wird in der Regel durch den Nachweis spezifischer Antikörper im Serum gestellt.
Testsyteme zum Nachweis von Antikörpern gegen Chlamydia pneumoniae: SeroCP™ und SeroCP™ Quant und SeroFIA™

Chlamydia trachomatis

Infektionen mit Chlamydia trachomatis gehören mit weltweit jährlich ca. 92 Millionen Neuerkrankungen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Es werden insgesamt 15 Serotypen unterschieden. Die Serotypen A-C verursachen das Trachom, eine in den Tropen verbreitete chronisch rezidivierende Erkrankung der Bindehäute und der Hornhaut. Die Serotypen L1- L3 sind für die vorwiegend in den Tropen vorkommende, sexuell übertragbare Krankheit, Lymphogranuloma venereum, verantwortlich.
Die Serotypen D-K gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erregern in den Industrieländern und verursachen bei Männern eine Urethritis und bei Frauen eine Zervizitis. Die Infektionen verlaufen meist asymptomatisch und werden daher nicht erkannt oder behandelt.
Unbehandelt können sie insbesondere bei Frauen zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen, wie z.B. Infertilität, führen. Schätzungen zufolge bleiben in Deutschland etwa 100.000 Frauen aufgrund einer genitalen Chlamydieninfektion ungewollt kinderlos. Außerdem können die Chlamydien beim Geburtsvorgang auf das Neugeborene übertragen werden und bei diesem eine Bindehautentzündung oder Pneumonie auslösen.
Der Erregernachweis sollte bei akuten C. trachomatis-Infektionen durch direkte Nachweisverfahren erfolgen. Hierfür eignen sich aufgrund ihrer hohen Sensitivität und Spezifität insbesondere Nukleinsäureamplifikationsverfahren (NAT) (Nachweis möglich mit GenoQuick® CT).
Der serologische Nachweis von C. trachomatis-spezifischen Antikörpern sollte insbesondere bei chronischen und persistierenden Chlamydieninfektionen erfolgen und im Zusammenhang mit dem klinischen Bild des Patienten betrachtet werden (Antikörper-Nachweis möglich mit  SeroCT™ und SeroFIA™)

 Chlamydien-Screening

Seit dem 1. Januar 2008 können sich in Deutschland junge, sexuell aktive Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr einmal jährlich kostenlos auf das Vorliegen einer Chlamydia trachomatis-Infektion testen lassen. Ziel dieser Screeninguntersuchung ist es, durch die frühzeitige Diagnose und anschließende Therapie schwerwiegende Folgeerkrankungen, wie Infertilität, rechtzeitig zu verhindern. Als Testverfahren sind ausschließlich Nukleinsäure-amplifikationstests (NAT) (Nachweis möglich mit GenoQuick® CT) vorgesehen, die eine hohe Sensitivität und Spezifität besitzen und über gesetzliche Krankenkassen abgerechnet werden können.


Skandinavische Chlamydien-Variante
Im Jahr 2006 wurde in Schweden eine neue Chlamydia trachomatis-Variante (nvCT) entdeckt. Sie weist eine Deletion im 377-bp-Genomabschnitt in der Targetsequenz für die Polymerasekettenreaktion (PCR) auf. Aufgrund dieser Deletion wurde sie von einigen, häufig eingesetzten kommerziellen Nukleinsäureamplifikationstests im Probenmaterial nicht erkannt. Seit der Erstbeschreibung wurde die nvCT inzwischen in den meisten Regionen Schwedens nachgewiesen.

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